Auftaktkonferenz „Mitreden – Mitgestalten“ am 6.11.2018 in Berlin

Am 6.11.2018 startete das BMFSFJ mit der Auftaktkonferenz „Mitreden – Mitgestalten“ einen neuen Anlauf in Sachen Novellierung des SGB VIII. Der Reformprozess soll durch einen breiten Beteiligungsprozess getragen werden, den die Agentur Zebralog organisiert und der – wie die parlamentarische Staatssekretärin Caren Marks hervorhob – vor allem von Gemeinsamkeit geprägt sein soll. Mit interaktivem Feedbacktool, Podiumsdiskussion, Dialogstationen, und strukturierten Workshops war die Auftaktkonferenz dann auch entsprechend gut und abwechslungsreich gestaltet. Zusätzlich wird der Reformprozess wissenschaftlich durch das IKJ (Institut für Kinder- und Jugendhilfe) und sowie rechtlich durch das IJOS (Institut für Jugendrecht, Organisationsentwicklung und Sozialmanagement) unterstützt. Es wird auch eine Website geben, auf der Inhalte und Prozess transparent dargestellt und diskutiert werden sollen (www.mitreden-mitgestalten.de). Ministerin Frau Dr. Giffey betonte in ihrer Rede, dass „wir ja nicht bei Null anfangen“. Inhaltlich soll es bei der Reform vor allem um vier Themen gehen, alles mit dem übergeordneten Ziel, Kinder und Jugendliche und ihre Familien zu stärken:

  1. Besserer Kinderschutz und mehr Kooperation,
  2. Wirksames Hilfssystem/Weniger Schnittstellen/Mehr Inklusion ,
  3. Fremdunterbringung: Kindesinteressen wahren – Eltern unterstützen – Familien stärken und
  4. Prävention im Sozialraum stärken.

Vom Podium wurde dann noch eine 5. Säule gefordert, und zwar die Einführung eines Anspruchs auf einen Ganztagsschulplatz.

Bearbeitet werden sollen die Themen in einer Arbeitsgruppe von rund 50 Personen, die am Ende des Jahres 2019 – unter Einbeziehung der schon vorliegenden Ergebnissen aus den Dialogforen sowie den Rückmeldungen aus einer Onlinebefragung einer breiten Fachöffentlichkeit – einen Gesamtbericht vorstellt. Auf Grundlage dieses Abschlussberichts soll dann ein Gesetzentwurf gefertigt und Anfang 2020 vorgelegt werden. Wie wiederholt auf der Konferenz betont wurde: Ein sportlicher Plan! (Katharina Lohse, Leiterin Abteilung Rechtsberatung, DIJuF, Heidelberg)

Erziehungsfachverbände zur SGB VIII-Reform

Die Erziehungsfachverbände Deuschlands veröffentlichen anlässlich der neu aufgenommenen Diskussion um die Novellierung des SGB VIII eine Überarbeitung und Aktualisierung ihrer Fragen und Prüfsteine an eine beabsichtigte SGB VIII-Reform. 15.10.2018

Heinz Müller »Aktuelle Entwicklungen in der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe«

Heinz Müller (Institut für Sozialpädagogische Forschung gGmbH Mainz, ism gGmbH) referierte quasi zur Einstimmung auf den aktuellen Reformprozess auf der DIJuF ZweiJahrestagung im September 2018 über die Grundsatzfragen »Wo steht die Kinder- und Jugendhilfe gerade? Welche Strukturfragen stehen an? Und wo könnte/sollte es hingehen?« Die Kinder- und Jugendhilfe sei heute zwar in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sei systemrelevant und Kernstück sozialer Daseinsfürsorge für alle jungen Menschen und Familien, entwickle sich aber zunehmend als Dienstleister für andere gesellschaftliche Teilsysteme und die Organisation des Sozialen (Bildung, Arbeit, Justiz, Integration, Inklusion). Zunächst wäre ein eigenständiger gesellschaftlicher bzw. staatlichen Auftrag an die Kinder- und Jugendhilfe zur Unterstützung und Förderung von Kindern, Jugendlichen und Familien ausdrücklich zu bejahen. Dann seien ganz konkrete Strukturfragen zu beantworten, etwa wie es weitergeht mit der Kindertagesbetreuung in Deutschland oder mit der Kooperation von Jugendhilfe und Schule sowie ob wir eine neue HzE-Reform brauchen. Entscheidend sei u. a. auch die Absicherung der Kooperation in anderen gesellschaftlichen Teilsystemen wie Schule oder Gesundheit. Im Ergebnis bedeute eine Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe jedenfalls mehr soziale Gerechtigkeit. Die Folien zum Vortrag mit dem Titel »Aktuelle Entwicklungen in der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe« finden Sie unter Grundsatzfragen. 27.9.2018